Neun Hashtags warum ich twittere

16. Juni 2009 | By | Category: Keine Kategorie

Ja, ich gebe es zu! Auch ich war anfangs skeptisch, was die Anwendung Twitter anging. Aber spätestens seitdem ich blogge, weiß ich, dass ich manche Dinge ausprobieren muss, um sie wirklich zu verstehen – was keinesfalls heißen soll, dass ich dazu aufrufe, alles einmal getan zu haben, nur um es wirklich zu begreifen. Damals war es Jochen Robes, der mich im Rahmen eines Vortrages der Frankfurter GfWM-Stammtische zum Bloggen ermutigte. Umso erfreuter war ich, als mich Jochen zum Blog Carnival einlud, um darüber zu schreiben, warum ich twittere. Nachfolgend neun sogenannte Hashtags, warum ich twittere:

1. #besser_und_schneller_informiert_sein_

Twitter ermöglicht mir als Bündelungsplattform, die Nachrichten sowohl aus klassischen Medienkanälen als auch Nachrichten starker Multiplikatoren aus meinem Netzwerk zu aggregieren. Dabei kann ich die Nachrichten bequem und zuverlässig abonnieren und wieder abbestellen! Ich kann auf einen Blick mittels meiner Twitter-Applikation alle Nachrichten lesen: von Spiegel-Online über die Infos meiner Mitarbeiter bis hin zu den News, die über die führenden Web 2.0-Protagonisten verbreitet werden. Das ist sehr überschaubar und schnell. Außerdem kann ich störende Nachrichten einfacher blockieren als Spam in E-Mails. Zum Twittern nutze ich auf dem PC die Software TweetDeck und unterwegs nutze ich den Twitter-Client Gravity auf einem Nokia E90 in Verbindung mit einer UMTS-Flatrate.

2. #staerkung_meines_netzwerks_

Als Medienberater kann ich nicht immer alle Anfragen meiner Klienten selbst bedienen. Bei den mannigfaltigen Anfragen im Bereich IT und Neue Medien weiß ich oft nicht, ob doch jemand in meinem Netz ist, der ein Spezialthema bedienen könnte. Ein kleiner, schneller, aber feiner Tweet beantwortet die Frage viel schneller als die gute alte E-Mail, die vielleicht auch noch im Spamfilter hängen bleibt. Ich erreiche mein Netzwerk effektiver und effizienter und stärke es, indem ich auch Aufträge weitergebe. Ebenso nutze ich Twitter, wenn ich eine Expertise in meinem Netzwerk suche, die ich in ein konkretes Projekt einbinden möchte.

3. #problemlösungen_

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die das Leben bewegen oder einfacher machen. Fragen wie „Wer hat bereits Erfahrungen mit XY gemacht“ oder „Wer kann mir bei diesem oder jenem Problem behilflich sein“, sind in Twitter schnell gestellt und erreichen die Richtigen.

4. #der_mensch_

Heinz von Foerster sagte einmal: „Wenn Du wirklich etwas über einen Menschen erfahren willst, stelle ihm prinzipiell unentscheidbare Fragen“.

Oft sind es die scheinbar belanglosen kleinen Dinge, die mehr über einen Menschen aussagen als jeder Lebenslauf oder sein Zeugnis. Mit Twitter erfährt man mehr über sein Netzwerk, oft persönliche Dinge und Präferenzen, die das Zusammenarbeiten in virtuellen Teams menschlicher machen. Das Teilen persönlicher Dinge stärkt das Vertrauen zwischen Menschen. Zudem entstehen neue „Anschlussstrukturen“ zu den Menschen, von denen ich zuvor glaubte, sie zu kennen. Aus diesen neuen „Anschlussstrukturen“ können sich wertvolle gemeinsame Vorhaben entwickeln.

Wer mich in Twitter und im Netz beobachtet, wird beispielsweise irgendwann einmal darüber stolpern, dass ich das australische Didgeridoo spiele und Yoga praktiziere. Mit einem ehemaligen Manager aus meinem Netzwerk entwickelt sich daraus gerade ein gemeinsamer neuer Coachingansatz. Über unbewusste Prozesse bei der Atmung während des Didgeridoospiels versuchen wir, die Zugänge zu unbewussten Lernprozessen zu öffnen. Dieses Thema ist fernab meiner Kernaktivitäten aus den Bereichen 3D-Internet, Second Life und Enterprise 2.0 und wäre nie ohne „erweiterte Anschlussstruktur“ entstanden.

5. #mehr_traffic_auf_dem_blog_

Um die Aufmerksamkeit auf meinen Blog SLTalk zu erhöhen, nutze ich ein WordPress-PlugIn, welches für jeden Blogeintrag den jeweiligen Titel eines Artikels als Tweet in einen speziell dafür vorgesehenen Twitterkanal (http://www.twitter.com/sltalk) sendet und mit dem Blog verlinkt .

6. #twitter_übernachtungs_hilfe_

Zu twittern auf einem Smartphone kann sich für beliebige Situationen im Alltag als sehr nützlich erweisen. Erst kürzlich war ich im ICE von Stuttgart über Frankfurt nach Wiesbaden unterwegs. Durch die Verspätung meines ICE’s verpasste ich kurz nach Mitternacht meinen Anschlusszug nach Wiesbaden. Ein kurzer Hilfe-Tweet genügte, Sekunden später erhielt ich aus meinem Netzwerk ein Übernachtungsangebot.

7. #nie _wieder_butter_an_der_tageszeitung und #saubere_sakkos_

Die unhandliche, gute alte Tageszeitung, die im Hotel beim Frühstück die Butter beim Umblättern vom Tisch fegte und den Nachbarn das Sakko ruinierte, ist passé. Ein Smartphone mit einer UMTS-Flatrate und ein vernünftiger Twitter-Client ist das perfekte Replacement für 1.0-Medien wie die Tageszeitung. Die fast 1×1 Meter große Tageszeitung schrumpft auf die wenigen Zentimeter des Displays meines Smartphones, raschelt nicht und ist freundlicher, weil man wieder Menschen sehen kann anstatt „sitzende Tageszeitungen“, welche interessante Gesichter verbergen. Vermutlich ist der Bezug digitaler Nachrichten auch umweltfreundlicher, als das Papier für Tageszeitungen zu drucken, deren Nachrichten beim Druck bereits veraltet sind.

8. #stimmungsbild_virtueller_teams

Wollte ein Projektmanager früher wissen, wie es um die Stimmung im Team bestellt ist, musste er lediglich in die Teamräume gehen und in die Gesichter der Projektmitglieder schauen. Die Mimik und Stimmung verriet so Einiges über die Lage eines Projektes und die erfahrene Führungskraft konnte die Zeichen deuten. Heute, in Zeiten der Globalisierung, des Off- und Nearshorings, in denen es zunehmend eine Kompetenz ist, virtuelle Teams erfolgreich zu führen und zu managen, muss man sich Stimmungsbilder auf anderen Wegen einholen. Twitter hilft mir, mein Stimmungsbild für virtuelle Teams zu konstruieren.

9. #zwei_punkt_null_

Und da ist noch ein weiterer, letzter Punkt, warum ich twittere: Um dabei zu sein, beim Paradigmenwechsel der Informationsverbreitung; und einfach, um in unserer Zeit die Informationslandschaft aktiv mitzugestalten. Außerdem macht es unheimlich viel Freude, „ZWEI_PUNKT_NULL“ zu sein.

Am Ende dieses Artikels möchte ich die Antwort auf die häufig gestellte Frage vorweg nehmen:

„Ist es nicht unwahrscheinlich anstrengend, so viele Tweets lesen zu müssen und immer erreichbar sein zu müssen?“

„Nein, denn die Entscheidung liegt bei Dir, wo, wann und wie oft Du twitterst. Es gibt keine Verbindlichkeiten. Und wenn doch, dann hast Du Dich zuvor für diese Verbindlichkeit entschieden! Die Frage ist übrigens schon älter und wird immer wieder gestellt. Eine ähnliche Frage wurde damals – naja, vor nicht allzu langer Zeit – gestellt, als die Handys Einzug in unseren Alltag erhielten. Erinnerst Du Dich?“

Andreas Mertens (SLTalk & Partner – Agentur für Virtuelle Welten)



2 Comments to “Neun Hashtags warum ich twittere”

  1. […] Andreas Mertens (SLTalk & Partner) antwortet stilgerecht in neun #hashtags und mit Heinz von Foerster als Kronzeugen (”Neun Hashtags warum ich twittere”). […]

  2. […] Andreas Mertens (SLTalk & Partner) antwortet stilgerecht in neun #hashtags und Heinz von Foerster als Kronzeugen (”Neun Hashtags warum ich twittere”). […]