Mein letztes e-Learning-Erlebnis … das würde ich gebührend feiern!

28. März 2009 | By | Category: Keine Kategorie

Die Doppeldeutigkeit des Mottos dieser Ausgabe des WissensWert Blog Carnival greife ich nur zu gerne auf: mein LETZTES e-Learning-Erlebnis … wirklich das letzte … das allerletzte … nie wieder e-Learning … Ende und aus?! Bei dem Gedanken wird mir warm ums Herz, und dabei habe ich absolut nichts gegen innovatives Lernen mit elektronischen Medien. Nur der Begriff e-Learning selbst – mit dem stehe ich seit seiner Erfindung auf Kriegsfuß. Und ich bin fest davon überzeugt, dass er für die an sich gute Sache in den letzten Jahren mehr Schaden als Nutzen gebracht hat.

Was bin ich sie leid, die endlosen dogmatischen Diskussionen ohne einen Millimeter Erkenntnisgewinn, die nutzlose Schubladenbildung, die Frage nach der Zukunft von e-Learning und der richtigen e-Learning-Strategie, die Abwehrschlachten der klassischen Weiterbildner und ihre diebische Freude beim wiederholten Scheitern größenwahnsinniger e-Leaning-Business-Cases. Und wie sehr kommen sie mir aus Augen und Ohren, die ständigen Hinweise, dass ja eigentlich immer Blended Learning gemeint ist, wenn e-Learning gesagt wird, dass ja eigentlich alles zusammen gehört. Das alles hätten wir uns sparen können – damals, vor vielen, vielen Jahren.

Doch nun ist es, wie es ist, und mein kleiner Kreuzzug gegen ein übrig gebliebenes Unwort aus der New-Economy-Zeit wirkt selbst etwas fossil … aber das musste mal wieder raus! Und vielleicht spricht es ja irgend jemandem aus der Seele, dann sind wir schon zwei, oder drei … und irgendwann haben wir dann vielleicht alle Facetten des Lernens doch wieder in einer großen Lego-Kiste und können einfach drauf los bauen!

Aber zurück zum Thema! Ich hatte kürzlich in der Tat einige richtig gute e-Learning-Erlebnisse. Da war zum Beispiel der NDR, der sich kurz vor der CeBIT bei uns angemeldet hatte mit dem Wunsch, einen Beitrag über „e-Learning bei Volkswagen“ zu drehen. Wir haben das Team mitten in die Fabrik geführt, wo wir unsere Mitarbeiter im virtuellen Raum für komplexe Montage-Prozesse qualifizieren. Und in die Ausbildungswerkstatt, wo unsere Auszubildenden am PC lernen, wie ein Kran gesteuert wird – um es anschließend sofort in die Praxis umzusetzen. Und in unser Selbstlernzentrum, wo sich Mitarbeiter fast rund um die Uhr in Eigenverantwortung mit Lernprogrammen weiterbilden – zum Beispiel in Technik, Sprachen oder Zeitmanagement. Der fertige Film macht uns ein wenig stolz, denn er hat nichts mit all dem zu tun, was üblicherweise in der e-Learning-Schublade steckt. Und er zeigt, dass Lernen und Arbeiten zusammen gehören und dass moderne Technik beides unterstützt – auch und gerade dort, wo wir nicht den typischen Knowledge Worker antreffen.

Szenenwechsel: Das heimische Sofa, Laptop auf den Oberschenkeln. In der Familie ist eine seltene Krankheit aufgetreten, ich suche das Netz nach Informationen ab. Lande in Foren, die mich rasch in ihre Tiefen ziehen und jedem Horrorfilm das Wasser reichen können. Finde gut gemeinte Ratschläge von Betroffenen, interessierte Laien wie ich selbst. Notiere Dies und Das, suche weiter und verliere mich fast bei der Spurensuche. Am nächsten Tag gehe ich schwer bewaffnet ins Gespräch mit Ärzten und lerne viel: über den brisanten Cocktail aus Halbwissen und Spekulation im Web 2.0, aber auch über die Ignoranz so mancher Halbgötter in Weiß … und die Offenheit anderer Experten, die sich dem kritischen Dialog mit immer besser informierten Laien stellen und diesen als Chance für eine neue, höhere Ebene der Kommunikation mit ihren „Kunden“ begreifen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass e-Learning 2.0 mitunter nichts für schwache Nerven und unbedarfte Gemüter ist, aber dass ich mehr als dankbar für die Chance bin, diese Möglichkeiten nutzen zu können. Und dass ich alles dafür tun will, mir diese Chance auch weiterhin zu erhalten und die nötigen Kompetenzen zu erwerben und zu erhalten. Denn so falsch die Fantasie war, dass e-Learning das traditionelle Lernen ersetzen wird – so richtig war die frühe Erkenntnis, dass der „Digital Divide“ die Welt in „User“ und „Loser“ aufteilen wird. Und das macht Mut, möglichst viele mitzunehmen auf dem Lernweg ins Netz … und wenn’s unbedingt sein muss, auch unter der Überschrift „e-Learning“!

Dietmar Albrecht (Leiter Personalentwicklungsstrategie, Volkswagen Coaching GmbH)



2 Comments to “Mein letztes e-Learning-Erlebnis … das würde ich gebührend feiern!”

  1. […] Dietmar Albrecht (Volkswagen Coaching) biegt auf der Zielgeraden noch in den Carnival, streicht gleich mal den Begriff “e-Learning”, bleibt dann aber doch bei verschiedenen Lernerlebnissen hängen (”Mein letztes e-Learning-Erlebnis … das würde ich gebührend feiern!”). […]

  2. […] Dietmar Albrecht (Volkswagen Coaching) biegt auf der Zielgeraden noch in den Carnival, streicht gleich mal den Begriff “e-Learning”, bleibt dann aber doch bei verschiedenen Lernerlebnissen hängen (”Mein letztes e-Learning-Erlebnis … das würde ich gebührend feiern!”). […]