Ausgabe 14: Wie entwickeln sich virtuelle Welten? (Jun10)

30. Juni 2010 | By | Category: 14 Entwicklung Virtueller Welten (Jun10), Ausgaben

Beiträge

  • Boris Jäger hat den Blog Carnival mit der Gruppe Knowledge Management auf XING verlinkt (Danke!!) und sieht in seinem Beitrag vor allem eine Hürde, vor der virtuelle Welten heute noch stehen: die notwendige technische Infrastruktur („Virtuelle Welten!? Ich komm da ja gar nicht erst rein.“)
  • Doris Schuppe (DoSchu.Com) geht in einem ausführlichen Beitrag auf die Wirkungen virtueller Begegnungen ein und weist darauf hin, dass sich im Spiele-Bereich virtuelle Welten längst durchgesetzt haben („Blog-Carnival: Wie entwickeln sich virtuelle Welten?“).
  • Nergiz Kern, Sprachtrainerin in Second Life, berichtet über Ihre Erfahrungen als Trainerin in virtuellen Welten und teilt ihre Einschätzungen mit uns.
  • Johannis Moskaliuk (Internet, Medien, Psychologie) beschreibt (extreme) zwei Szenarien, die er für möglich hält.
  • Andreas Mertens hat anlässlich des BlogCarnivals mit Oliver Gassner (Digitale Tage) ein Gespräch geführt, das hier auf Hörer wartet.
  • Matthias Rückel riskiert einen Blick in die Zukunft: „Ein Blick in den Blog Carvinal Kristall: Wie entwickeln sich virtuelle Welten?“ Dort lesen wir u.a.: „Mein Kristall meint, daß es noch 2-4 Jahre dauern wird, bevor verstärkt mit 3D-Firmenwelten experimentiert wird.“
  • Jutta Dierberg/ Naomi Greenberg berichtet von verringerten, aber auch konkreteren Hoffnungen, was die Zukunft von SL betrifft. Eine Kostprobe aus ihren Reflexionen: „SL hat für mich auch einen tranceartigen charakter im positiven sinne. ich kann wünsche, ängste, potentiale aktivieren und aktualisieren, ähnlich wie in einem traum, nur eben doch bewusster.“ (mehr hier)
  • Rainer Gellrich setzt ein großes Fragezeichen hinter die Zukunft von SL (siehe Kommentare).
  • Marcus Birkenkrahe unterrichtet seit April in SL und berichtet von positiven Erfahrungen (siehe Kommentare).
  • Lore Reß legt auf Rückfrage noch einmal nach und hofft, dass virtuelle Welten bald „aus der Spielerecke“ kommen (siehe Kommentare).
  • Dörte Giebel: „Quo Vadis #SecondLife“: Virtuelle Welten sind längst viel mehr zum Bestandteil der alltäglichen Computer- und Internet-Nutzung geworden.
  • Lore Reß mit einem etwas kritischeren Beitrag: „Virtuelle Welten“ (darin: „Was stört mich bei SL“).
  • Klaus Kusanowsky schreibt auf seinem Blog Differentia über neue Formate im 3D-Internet. Mit den Performaten nimmt er Bezug auf Performanz und Kunst im virtuellen Raum („Wie entwickeln sich virtuelle Welten?“).

Kommentare bis Juni 2010

#1 Zimt
on Jun 7th, 2010 at 1:31 pm
Seit einigen Jahren gibt es erste Gehversuche in der Erwachsenenbildung. Mittlerweile liegt auch ein ausgereiftes Konzept vor; die VHS Goslar hat soeben das Projekt 3D-Online-Pass abgeschlossen.

Nach der Projektauswertung kann man zumindest für die Bildungsbranche folgende Aussagen treffen: Zentraler Erfolgsfaktor für Weiterbildungsangebote in virtuellen Welten werden die Dozenten sein, die eine andere Art des Unterrichtens beherrschen müssen. Zum einen gestalten sie für die TN “Präsenzunterricht” und werden mit den herkömmlichen Problemen des pädagogischen Arbeitens konfrontiert, die allerdings andere Lösungsansätze erfordern (wie kann ich z.B. aus der Ferne sicherstellen, dass TN sich tatsächlich beteiligen). Zum anderen können/sollen/müssen die Dozenten die virtuellen Möglichkeiten ausschöpfen, d.h. begehbare Räume, nutzbare 3D-Objekte und Simulationen prägen das Unterrichtsprinzip. Die TN werden immer! interaktiv einbezogen, sei es durch Gruppenarbeit, Erstellen eigener Objekte, Texturen oder Texte und Bewegung im Raum.

Im Projekt hat sich das Umlernen von erfahrenen eLearning-Dozenten als recht schwierig heraus gestellt. Niemand aus dieser Gruppe wird die Möglichkeiten der virtuellen Welt weiter verfolgen. Eine andere Gruppe, ohne eLearning-Erfahrung, hatte dagegen keine Probleme mit den neuen Unterrichtsmethoden.

Sämtliche TN stuften den Faktor „Technik“ (technische Probleme, Systemvoraussetzungen, Nutzung eines Headsets) als unproblematisch ein. In Einzelfällen war die Überwindung der Firmenfirewall etwas mühselig oder die Leistungsfähigkeit der DSL-Leitung nicht genügend stabil.

Andere Faktoren, die das Unterrichten in der realen Welt beeinflussen, gelten auch in der virtuellen Welt. Zeitknappheit scheint z.B. alle Welten zu durchdringen -schade auch:-)

Die VHS Goslar hat übrigens 2008 den Europäischen eLearning Award (eureleA) und 2010 den Innovationspreis für Bildungsarbeit in der Erwachsenenbildung Nds. für ihre Arbeit im Second Life erhalten. Ein Besuch auf der SL-Insel ist lohnenswert, einen ersten Eindruck erhält man hier http://www.vhs-sl.de
Anmerkung: Ich bin weder Mitarbeiter der VHS Goslar noch Projektmitarbeiter, betreibe also keine Werbung in eigener Sache.
#2 AMertens
on Jun 8th, 2010 at 1:33 pm [edit]
Liebe Lore,
ich habe Dich gerne verlinkt. Natürlich hast Du recht mit Deinen Kritikpunkten. Vielleicht kannst Du noch etwas auf die Ausgangsfrage eingehen. Sprich, wie denkst Du persönlich, dass sich Virtuelle Welten entwicklen werden bzgl. Ihrer Durchdringung und Reichweite? Denkst Du, dass wir die Probleme in den Griff bekommen? Ja, Nein? Wenn ja, was muss geschehen. Wenn Nein, wann sterben deiner Einschätzung nach, Virtuelle Welten aus?
LG,
Andreas

#3 Lore Reß
on Jun 11th, 2010 at 1:44 pm [edit]

Hallo Andreas,

stimmt, ich habe mich um die eigentliche Frage gedrückt.

Hier also meine Einschätzung:
Über die technischen Hürden lässt sich streiten, meiner Einschätzung nach sind sie noch zu hoch. Für ein Online-Meeting oder Online-Training im VC sind diese deutlich niedriger.

Doch sehe ich das nicht als besondere Hürde an. Es ist der Ruf, den nicht nur SL hat, sondern all virtuelle Welten, sie werden in die “Spielerecke” gestelllt. Um da herauszukommen gibt es nur eines, sinnvolle Anwendungen zu finden und zu zeigen. Wie in meinem Beitrag kritisiert, ist ein PPT-Vortrag nicht dazu angetan, virtuelle Welten zu propagieren.

Ein Paar Punkte, die helfen sollten:
– es sollte möglich sein, auf Knopfdruck als Avatar oder unter echtem Namen zu agieren,
– die Themen sollten in SL forciert werden, die 3D-Animationen ausschöpfen,
– die Referenten sollten neue Präsentationsmöglichkeiten erkunden,
– und Interaktionen chaffen werden, die auch ungeübte Teilnehmer mitmachen können.

Diese Punkte sind alle in den Griff zu bekommen und virtuelle Welten werden mit Sicherheit nicht aussterben – im Gegenteil.

LG,
Lore Reß

#4 Marcus Birkenkrahe
on Jun 16th, 2010 at 4:26 pm [edit]

ich unterrichte seit april einen spannenden kursus in SL – die ergebnisse sind unerwartet positiv, in jeder hinsicht, vor allem wenn es darum geht, aktivitäten aus dem klassenzimmer virtuell nachzuspielen. das funktioniert nämlich tatsächlich…danke an meine mitstreiter christian niemczik (krissel kling), jutta dierberg (naomi greenberg) und inge knudsen (inge qunhua) für ihre aktive hilfe und mitarbeit…

ich habe fast jede woche hierzu gebloggt unter http://virtualhwr.mixxt.de und auch (ausgewählte artikel) auf http://blog.birkenkrahe.com/ – weil der kurs auf englisch ist, sind auch diese beiträge auf englisch…

würde mich freuen über jeden, der hier näheres wissen möchte. kommendes semester bin ich im forschungssemester und second life didaktik ist mein thema…

#5 Rainer Gellrich
on Jun 18th, 2010 at 2:55 pm [edit]

Die Tatsache, dass “große Firmen” nicht mehr vorhanden sind und in der Presse SL als “tot” gekennzeichnet wird (nicht zu vergessen, die internen Maßnahmen bei LL), machen es sehr schwer, Geschäftspartner für die SL-Präsentation zu gewinnen.
Bei mir steht es auf Messers Schneide, was die Zukunft in dieser Richtung (bei diesen horrenden Unterhaltungskosten) angeht.
Rg

Call

Liebe Blogger-Kollegen,

fast 3 Jahre ist jetzt der Hype um Second Life (Ende 2007) her. Und obwohl sich namhafte Firmen wie Mercedes Benz und die Deutsche Post wieder zurückgezogen haben, sind virtuelle Welten angesagter denn je.

Vor zwei Wochen war ich als Referent für die Veranstaltung „Einsatzpotentiale Virtueller Welten“ der MFG Innovationsagentur für IT und Medien eingeladen. Dr. Norbert Kebekus erzählte von seinem Kirchenprojekt in Second Life. Das Innenministerium Baden Württemberg berichtete über die Steigerung der polizeilichen Ausbildungsqualität. Die Einsatzkräfte können in einer komplexen virtuellen Umgebung die Verbrechensbekämpfung (Verfolgung, Amoklauf, …) gefahrlos und kostengünstig trainieren. Das Projekt ViPol Bussard gewann auf der CeBIT 2010 den 2. Platz bei der Verleihung des Serious Games Award. Herr Zimmermann von Visenso präsentierte seinen Cyber-Classroom mit der 3D-Brille. Anstatt mit flachen Büchern zu lernen, können nun Lehrer mit ihren Schülern im Biologieunterricht einen virtuellen Rundgang durch das menschliche Gehör vollziehen, bei hoher Immersion mit stereoskopischem Sehen, dank der 3D-Brille Cinemizer von Zeiss. Ich selbst durfte die Aktivitäten unseres Arbeitskreises „Lernen in virtuellen Welten“ vorstellen, der seit dem letzten Sommer 2009 aktiv ist und dem die Themen so schnell nicht ausgehen werden.

Sicherlich wirken sich die gegenwärtigen Trends im Consumer-Bereich positiv auf die Entwicklung virtueller Welten aus. Allen voran meine ich hier das 3D-Fernseh-Geschäft, das an die Weltmeisterschaft in Südafrika gekoppelt ist, und die 3D-Filme wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ von James Cameron.

Mittlerweile steht fest, dass Virtuelle Welten und Second Life kein vorübergehender Hype sind. Dennoch sind die Entwicklungen doch recht zögerlich und die Eintrittsbarrieren verhältnismäßig hoch. Zu wenige Entscheider erkennen die Mehrwerte oder können sich vorstellen, einen ROI zu rechnen, wie es der TÜV Nord beispielhaft tut.

Ich möchte Euch deshalb zur Beantwortung folgender zentralen Frage zu dem Blog-Carnival „Virtuelle Welten“ einladen:

Wie werden sich Virtuelle Welten bzgl. ihrer Akzeptanz und Durchdringung entwickleln?

Als Leitgedanken hier einige Anstöße:

  • Was sind die Hürden für den Einstieg und was kann verbessert werden (Usability, Kosten, ..)?
  • Welche technologischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen sind für den „Durchbruch“ von virtuellen Welten erforderlich?
  • Für welche Bereiche/ Branchen/ Anwendungsfälle denkt Ihr, sind dreidimensionale (räumliche) virtuelle Welten geeignet, und für welche nicht ?

Gastgeber der 14. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival ist Andreas Mertens



2 Comments to “Ausgabe 14: Wie entwickeln sich virtuelle Welten? (Jun10)”

  1. […] Artikel erscheint als Beitrag für die 14. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival (Juni 2010) Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren Roundtable Virtuelle Welten 2020 […]

  2. Gesellschaftliche Voraussetzungen für die Verbreitung von Virtuellen Welten
    eine spannende Frage, die sich sicher nicht pauschal beantworten lässt. –
    Mir fällt immer wieder die starke Abwehr auf, die die neuen Medien und besonders die virtuellen Welten hervor rufen. Dies könnte damit zusammen hängen, dass eine starke Abhängigkeit von den technischen Ausstattungen und Funktionen empfunden wird (wo man doch die Autonomie erweitern möchte). Dazu einen Verlust an Kompetenzgefühl, Persönlichkeitsschutz und Orientierung befürchtet (die nicht auf allzu solidem Boden stehen). –
    Information und Bildungsangebote in konventionellen sowie unkonventionellen Formaten können hier sicher wirksam werden. Und bei der Art der Kommunikation darauf zu achten, den touch von Exclusivität zu vermeiden und möglicherweise sogar die eigene Begeisterung in homöopathischen Dosen zu zeigen, da sie sonst sehr schnell als Aufsprungbrett zur Opposition genutzt werden kann ;:-)