Ein Wiki bringt das, was die individuelle Situation zulässt

29. September 2009 | By | Category: Keine Kategorie
Dr. Irene Haentschel-Erhart

Dr. Irene Häntschel-Erhart

Ich hatte die Gelegenheit, in unterschiedlichen Rollen Erfahrungen mit Wikis machen zu dürfen – zunächst als Anwender, dann als externe Begleitung bei der Einführung und schließlich als (interne) Projektverantwortliche (und Anwenderin).

Aus diesen Erfahrungen heraus halte ich es für unseriös Pauschalurteile darüber abzugeben, was ein Wiki per se bringt. Welchen Nutzen ein Wiki wirklich stiftet, wie es ggf. Zusammenarbeit neu definiert, etc. hängt davon ab, welche Zielsetzungen verfolgt werden und was in der individuellen Situation machbar ist.

Die Rahmenbedingungen der beiden Fälle, die ich als Projektbegleitung bzw. Projektverantwortliche miterlebt habe, waren in wesentlichen Eckpunkten identisch bzw. sehr ähnlich. In beiden Fällen

  • handelt es sich um IT-Organisationen mittlerer Größe

  • setzte man auf Atlassians` Confluence

  • wurde in einem Prozess mit einem Pilotprojekt begonnen

  • lag den Aktivitäten ein Managemententscheid zur Grunde (keine Grassroot-Bewegung)

und trotzdem zeigen sich nach längerem Betrieb (mehr als zwei- bzw. mehr als einjährigem) Betrieb zwei vollkommen unterschiedliche Wikis.

Unterschiedlich gestalteten sich auch schon die Einführungsprozesse. Obwohl die Ausgangslagen so ähnlich waren, hatten die Anwender völlig andere Bedürfnisse, wurden ganz andere Fragen aufgeworfen, diskutiert und letztlich auch anders entschieden. Im Wesentlichen unterscheiden sich die beiden Wikis hinsichtlich folgender Merkmale:

  • Strukturiertheit: strenge Vorgaben, welche Inhalte wohin gehören, vorgegebenes Seitenlayout durch Vorlagen vs. recht offener Nutzungsrichtlinien

  • Partizipationsgrad: alle machen passiv mit, sehr viele tragen aktiv bei vs. nicht alle machen passiv mit, nur einige wenige tragen aktiv bei

  • Durchdringungsgrad: sämtliche Prozesse, komplette Organisation (Ablöse Intranet durch das Wiki) vs. nur zögerlicher Rollout auf sämtliche Prozesse

  • Anpassung der Arbeitsweisen an den „wiki way“: Verzicht auf herkömmliche Office-Dokumente, wenn immer möglich vs. Einbindung vieler Office-Dokumente als Attachments

  • Anpassung des Informations- und Kommunikationsverhaltens: Verlagerung ins Wiki vs. weiterhin e-mail basiert

In beiden Fällen wird seitens des Managements „ihr“ Wiki als Erfolg bezeichnet. Konkret hervorgehoben wird von beiden Seiten, dass es nun erstmals möglich ist, dass wirklich jeder rasch Informationen teilen kann und umgekehrt dass es allen einfach möglich ist, auf Information zuzugreifen – die Art und Weise wie das nun mit den Wikis geschieht ist so individuell wie jede Organisation, insbesondere deren Unternehmenskultur, einzigartig ist.



One Comment to “Ein Wiki bringt das, was die individuelle Situation zulässt”

  1. […] Haentschel-Erhart schreibt von erfolgreichen Unternehmenswikis im IT-Bereich, die bei gleicher Software-Basis ganz unterschiedlich ausfallen – wie die Unternehmenskultur […]